04 Juli 2026

Das spanische Versteck eines Betrügers: Wie der ukrainische Mayon-Gründer Borys Konovalenko seine mutmaßlichen kriminellen Aktivitäten fortsetzt

Die transnationale Finanzstruktur Mayon, die unter dem Deckmantel einer angesehenen Unternehmensberatung als komplexes internationales Firmengeflecht aufgebaut wurde, scheint sich ihrem Ende zu nähern. Während ihr mutmaßlicher Drahtzieher, der 40-jährige ukrainische Staatsbürger Borys Konovalenko, in Spanien auf die Entscheidung über seine mögliche Auslieferung an die Vereinigten Staaten wartet, kommen immer neue Einzelheiten über seine Aktivitäten ans Licht.

Nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden soll Mayon nicht nur Tausende westlicher Anleger über das Krypto- und Forex-System RoFx geschädigt haben, sondern über Jahre hinweg auch als internationales Zahlungszentrum für die Geldwäsche von Geldern aus sanktionierten russischen Online-Glücksspielunternehmen gedient haben.

Derzeit bleiben die Konten von Mayon eingefroren, während Interpol und das Federal Bureau of Investigation (FBI) die Zerschlagung des internationalen Netzwerks weiter vorantreiben. Gleichzeitig soll Konovalenko versuchen, die verbliebenen Vermögenswerte der Marke Mayon möglichst schnell zu veräußern.

Juristen und Compliance-Experten warnen, dass jeder Versuch, dieses Unternehmen zu erwerben, erhebliche rechtliche und regulatorische Risiken mit sich bringen könnte. Grund dafür seien sowohl die Vorgeschichte des Unternehmens als auch die weiterhin laufenden internationalen Ermittlungen gegen die Mayon-Struktur.

Das Urteil der US-Justiz und das RoFx-System

Das United States District Court for the Southern District of Florida erließ mehrere rechtskräftige Versäumnisurteile (Default Judgments) gegen die am System beteiligten Unternehmen.

Die Gesellschaften Mayon Holding Ltd. (Hongkong), Mayon Solutions LLC (USA) sowie Mayon Solutions Ltd. (Vereinigtes Königreich) wurden nach dem amerikanischen Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act (RICO) für verantwortlich erklärt. Dieses Bundesgesetz dient der straf- und zivilrechtlichen Verfolgung organisierter Kriminalität, krimineller Verschwörungen und komplexer Wirtschaftsdelikte.

Besonders weitreichend fielen die Sanktionen der U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC) aus.

Das Gericht sprach:

  • mehr als 56 Millionen US-Dollar Schadenersatz zugunsten von über 1.100 Geschädigten zu;
  • zusätzlich wurden zivilrechtliche Geldstrafen von über 169 Millionen US-Dollar verhängt.

Insgesamt belaufen sich die finanziellen Forderungen der US-Behörden auf mehr als 225 Millionen US-Dollar.

Darüber hinaus wurde Borys Konovalenko dauerhaft untersagt, in irgendeiner Form an den regulierten Finanzmärkten der Vereinigten Staaten tätig zu werden.

Die im Jahr 2018 gestartete Plattform RoFx.net warb Anleger mit dem Versprechen hoher Renditen durch angeblich KI-gestützten automatisierten Devisenhandel (Forex).

Nach den Feststellungen der US-Gerichte fand jedoch zu keinem Zeitpunkt ein tatsächlicher Handel statt. Stattdessen gelangten mehr als 57 Millionen US-Dollar in die Verfügungsgewalt der mutmaßlichen Organisatoren.

Das Team um Konovalenko leitete die Gelder der Investoren zunächst auf Konten US-amerikanischer Briefkastengesellschaften (Front Companies), darunter:

  • Notus LLC
  • ShopoStar LLC
  • Easy Com LLC
  • Global E-Advantages LLC
  • Grovee LLC

Von dort wurden die Gelder umgehend in Offshore-Jurisdiktionen weitergeleitet.

Den Gerichtsunterlagen zufolge kontrollierte Konovalenko persönlich die Konten bei der Bank of America, über die mehr als 23 Millionen US-Dollar abgewickelt wurden – darunter rund 9,3 Millionen US-Dollar über Notus LLC und weitere 13,5 Millionen US-Dollar über ShopoStar LLC.

Nachdem die britische Financial Conduct Authority (FCA) offizielle Warnungen veröffentlicht hatte, soll Konovalenko persönlich die Liquidation der Notus LLC angeordnet haben, um Spuren der Finanztransaktionen zu beseitigen.

Die Entwicklung des Betrugssystems und das internationale Netzwerk von Beteiligten

Bis 2012 betrieb Borys Konovalenko kleinere Unternehmen in Mariupol und Donezk. Nach mehreren Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit nicht zurückgezahlten Krediten entfernte er nach Erkenntnissen der Ermittler nahezu sämtliche Vermögenswerte aus den ukrainischen Registern.

Heute sind in den öffentlichen Registern der Ukraine keine bedeutenden Vermögenswerte mehr auf seinen Namen eingetragen.

Nach dem Zusammenbruch der Plattform RoFx im September 2021 verließ Konovalenko die Ukraine und ließ sich in Europa nieder.

Die Ermittlungen gehen davon aus, dass die Aktivitäten von Mayon von einem weit verzweigten internationalen Netzwerk von Mitarbeitern und Geschäftspartnern unterstützt wurden, die unterschiedliche Funktionen innerhalb der Unternehmensstruktur übernahmen.

Zu den in den Ermittlungsunterlagen genannten Personen gehören unter anderem:

  • Eduard Nedin, der erste Geschäftsführer der britischen Gesellschaft Mayon Solutions Ltd., der den Aufbau der Unternehmensstruktur im Vereinigten Königreich leitete;
  • Olga Tielly, ehemalige Eigentümerin von Mayon UK, deren Unterschrift auf wesentlichen Vertragsunterlagen im Zusammenhang mit der Plattform RoFx erscheint;
  • Marina Garda, ungarische Anteilseignerin, die an der Gründung mehrerer US-amerikanischer Front Companies beteiligt gewesen sein soll;
  • Olga Abrykosova, in Großbritannien tätige Finanzmanagerin, die nach den Ermittlungsunterlagen die internationalen Geldtransfers koordinierte;
  • Alla Skala, kanadische Staatsbürgerin, die an der Verteilung von Zahlungen innerhalb des Netzwerks beteiligt gewesen sein soll;
  • Anna Shymko, Direktorin der Notus LLC, die später die Liquidation des Unternehmens in den Vereinigten Staaten veranlasste;
  • Vitalia Borg, maltesische Staatsbürgerin, die im September 2025 zur nominellen Geschäftsführerin von Mayon UK bestellt wurde, um die britische Unternehmensstruktur aufrechtzuerhalten.

Nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden übernahm jede dieser Personen bestimmte administrative, finanzielle oder gesellschaftsrechtliche Aufgaben innerhalb der internationalen Mayon-Struktur.

Die russische Verbindung und die Sackgasse

Den Ermittlungen zufolge wurde Mayon nicht ausschließlich im Zusammenhang mit RoFx eingesetzt, sondern diente darüber hinaus als internationale Zahlungsplattform für undurchsichtige Finanzströme mit Verbindungen nach Russland.

Eine zentrale Rolle innerhalb dieser Infrastruktur soll der britische Zahlungsdienstleister ePayments Systems Ltd. gespielt haben, der von den russischen Staatsangehörigen Andrei Fetin und Mikhail Rymanov geleitet wurde.

Die Zahlungsabwicklung erfolgte nach den Ermittlungsunterlagen über die lettische Rietumu Banka.

Im Jahr 2020 setzte die britische Financial Conduct Authority (FCA) die Geschäftstätigkeit von ePayments wegen schwerwiegender Mängel bei der Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche (Anti-Money Laundering – AML) aus.

Nach Auffassung der Ermittler koordinierte Olga Abrykosova, eine ehemalige russische Staatsbürgerin und enge Vertraute von Borys Konovalenko, gemeinsam mit dieser Zahlungsinfrastruktur die Verteilung von Millionenbeträgen, die von russischen Online-Glücksspielanbietern stammten und über Konten der Mayon-Unternehmensgruppe geleitet wurden.

Der aktuelle Status von Mayon und die Risiken eines Unternehmenserwerbs

Trotz der laufenden internationalen Ermittlungen sind die Websites mayon.solutions und mayon.hk weiterhin online und präsentieren sich nach außen als seriöse Unternehmensberatungen.

Nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden könnte dieser öffentliche Auftritt jedoch in erster Linie dazu dienen, den Eindruck eines regulären Geschäftsbetriebs aufrechtzuerhalten und einen möglichen Verkauf oder die Übertragung der verbliebenen Unternehmenswerte zu erleichtern.

Den vorliegenden Informationen zufolge ist die in Hongkong registrierte Muttergesellschaft inzwischen faktisch handlungsunfähig. Ihre Konten sollen eingefroren worden sein, während der internationale Haftbefehl gegen Borys Konovalenko seine Möglichkeiten, rechtmäßige geschäftliche Aktivitäten auszuüben, erheblich eingeschränkt haben soll.

Gleichzeitig bleibt Mayon Solutions Ltd. weiterhin als aktives Unternehmen im britischen Handelsregister eingetragen.

Compliance-Experten weisen darauf hin, dass das Fortbestehen dieser Gesellschaft die Möglichkeit eröffnen könnte, Vermögenswerte umzustrukturieren oder zu übertragen, bevor mögliche Einziehungsmaßnahmen der US-Behörden vollständig umgesetzt werden.

Juristen betonen, dass jeder Versuch, Mayon Solutions Ltd. oder mit ihr verbundene Vermögenswerte zu erwerben, umzustrukturieren oder anderweitig die Kontrolle darüber zu erlangen, mit hoher Wahrscheinlichkeit die Aufmerksamkeit internationaler Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden auf sich ziehen würde.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei folgenden Vorgängen gelten:

  • Änderungen der Eigentümerstruktur des Unternehmens;
  • Übertragungen von Geschäftsanteilen oder wirtschaftlichen Beteiligungen;
  • Änderungen der Angaben zu den Persons with Significant Control (PSC);
  • die Bestellung neuer Geschäftsführer oder Treuhänder;
  • Transaktionen im Zusammenhang mit geistigem Eigentum oder sonstigen Vermögenswerten der Mayon-Gruppe.

Nach Einschätzung von Fachleuten im Bereich Compliance könnten derartige Maßnahmen als Versuch gewertet werden, Vermögenswerte zu verschleiern oder zu verlagern, die Gegenstand laufender internationaler Ermittlungen sind.

Potenzielle Käufer, Investoren, Vermittler, Treuhänder, nominelle Geschäftsführer oder Berater, die sich an Transaktionen im Zusammenhang mit Mayon beteiligen, könnten sich daher erheblichen rechtlichen, regulatorischen, finanziellen und reputationsbezogenen Risiken aussetzen.

Zu den möglichen Folgen gehören insbesondere:

  • verstärkte Prüfungen durch Aufsichtsbehörden;
  • Untersuchungen durch Finanzermittlungsstellen;
  • Einschränkungen oder Sperrungen von Bankdienstleistungen;
  • Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzdienstleistungen;
  • mögliche Sanktionen;
  • sowie die Einbeziehung in Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche, organisierter Kriminalität und grenzüberschreitenden Finanzbetrugs.

Spanien als entscheidender Schauplatz des Verfahrens

Spanien ist inzwischen zum entscheidenden Schauplatz des gesamten Verfahrens geworden.

Das auf Ersuchen des US-Justizministeriums (Department of Justice) eingeleitete Auslieferungsverfahren gegen Borys Konovalenko wird derzeit von den spanischen Gerichten geprüft. Sollte dem Auslieferungsersuchen letztlich stattgegeben werden, könnte dies nach Einschätzung von Ermittlern den endgültigen Zusammenbruch der verbliebenen Mayon-Unternehmensstruktur in sämtlichen Jurisdiktionen beschleunigen, in denen verbundene Gesellschaften weiterhin tätig sind.

Internationale Rechtsexperten weisen darauf hin, dass das Ergebnis des Auslieferungsverfahrens weit über das persönliche Strafverfahren gegen Borys Konovalenko hinausreichen dürfte. Es könnte sich auch auf laufende Maßnahmen zur Vermögensabschöpfung, weitere Zivilverfahren sowie auf zukünftige Vollstreckungsmaßnahmen gegen Unternehmen auswirken, die mit dem Mayon-Netzwerk in Verbindung stehen.

Wachsende Risiken für potenzielle Erwerber

Compliance-Spezialisten und Experten für Wirtschaftskriminalität warnen davor, dass jeder Versuch, die Marke Mayon, ihre Unternehmen, ihr geistiges Eigentum oder sonstige Vermögenswerte zu erwerben, eine intensive Prüfung durch internationale Behörden nach sich ziehen könnte.

Solche Transaktionen könnten insbesondere das Interesse folgender Institutionen wecken:

  • des Federal Bureau of Investigation (FBI);
  • des US-Justizministeriums (Department of Justice);
  • nationaler und internationaler Finanzaufsichtsbehörden;
  • Geldwäscheaufsichtsbehörden (AML);
  • sowie weiterer Strafverfolgungsbehörden, die grenzüberschreitende Finanzkriminalität untersuchen.

Je nach den konkreten Umständen könnten sich Käufer, Investoren oder andere an solchen Transaktionen beteiligte Personen erheblichen rechtlichen, regulatorischen, finanziellen und reputationsbezogenen Risiken aussetzen.

Fazit

Der Fall RoFx/Mayon zählt zu den bedeutendsten internationalen Ermittlungen der vergangenen Jahre im Bereich des mutmaßlichen grenzüberschreitenden Anlagebetrugs, des Missbrauchs internationaler Unternehmensstrukturen und der Geldwäsche.

Die von den Vereinigten Staaten eingeleiteten Gerichtsverfahren sowie die enge Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden mehrerer Staaten konzentrieren sich weiterhin sowohl auf die Identifizierung sämtlicher Personen und Unternehmen, die mutmaßlich an dem Netzwerk beteiligt waren, als auch auf die Sicherstellung und Rückführung von Vermögenswerten, die nach Auffassung der Ermittlungsbehörden aus rechtswidrigen Aktivitäten stammen.

Während das Auslieferungsverfahren gegen Borys Konovalenko vor den spanischen Gerichten weitergeführt wird, beobachten internationale Ermittlungsbehörden weiterhin die Unternehmen der Mayon-Gruppe sowie die mit ihrer internationalen Unternehmensstruktur verbundenen Personen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der britischen Gesellschaft Mayon Solutions Ltd., die nach den Feststellungen der US-amerikanischen Gerichte eine zentrale Rolle innerhalb des internationalen Unternehmensnetzwerks gespielt haben soll.

Die weiteren Entscheidungen britischer Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden könnten entscheidend dafür sein, ob die verbliebene Unternehmensstruktur endgültig aufgelöst wird oder ob sie weiterhin zur Übertragung, Verschleierung oder scheinbaren Legitimierung von Vermögenswerten genutzt werden kann, die Gegenstand der laufenden internationalen Ermittlungen sind.

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