Das britische Unternehmen Mayon Solutions mit einem internationalen Krypto-Betrugssystem in Verbindung gebracht
Die Ermittlungen gegen das grenzüberschreitende Netzwerk RoFx/Mayon haben ihre entscheidende Phase erreicht. Während der mutmaßliche Organisator des Systems, der ukrainische Staatsbürger Borys Konovalenko, in Spanien auf die Entscheidung über seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten wartet, wächst die Sorge, dass die mit dem Netzwerk verbundene britische Unternehmensstruktur genutzt werden könnte, um Vermögenswerte zu sichern oder zu übertragen, die mit den untersuchten Aktivitäten in Zusammenhang stehen.
Das internationale Finanznetzwerk, das unter dem Deckmantel der Unternehmensberatung Mayon Solutions operierte, wurde im Rahmen einer groß angelegten gemeinsamen Operation von Strafverfolgungsbehörden aus den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufgedeckt.
Als zentrale Figur der Ermittlungen und mutmaßlicher Initiator der Plattform gilt der ukrainische Staatsbürger Borys Konovalenko, der sich derzeit in Spanien aufhält. Dort wurde auf Antrag des US-Justizministeriums (Department of Justice) offiziell ein Auslieferungsverfahren eingeleitet.
Während Konovalenko auf die endgültige Entscheidung der spanischen Justiz wartet, richtet sich die Aufmerksamkeit internationaler Ermittlungsbehörden und Finanzaufsichtsstellen zunehmend auf London. Gerichtsunterlagen sowie Eintragungen in den Unternehmensregistern legen nahe, dass die in der City of London registrierte Mayon Solutions Ltd. eine zentrale Rolle beim Waschen mutmaßlich rechtswidrig erlangter Gelder spielte und dem Netzwerk zugleich den Anschein eines legitimen Geschäftsbetriebs verlieh.

Die Rolle von Mayon Solutions Ltd. im RoFx-Betrugssystem
Die rechtliche Bewertung der Investmentplattform RoFx.net, die seit 2018 Anleger mit dem Versprechen hoher Renditen durch angeblich KI-gestützten Devisenhandel (Forex) anlockte, liegt inzwischen vor.
Das United States District Court for the Southern District of Florida erließ rechtskräftige Versäumnisurteile (Default Judgments) gegen die am System beteiligten Unternehmen.
Zu den verurteilten Gesellschaften gehörte auch die in Großbritannien registrierte Mayon Solutions Ltd., deren Verantwortung nach dem Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act (RICO) festgestellt wurde – einem US-Bundesgesetz zur Bekämpfung organisierter Kriminalität.
Nach Angaben der U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC) überstieg das gerichtlich festgestellte Gesamtvolumen der Ansprüche gegen die Unternehmensgruppe 225 Millionen US-Dollar.
Davon entfielen:
- mehr als 56 Millionen US-Dollar auf Entschädigungszahlungen an über 1.100 geschädigte Anleger;
- weitere 169 Millionen US-Dollar auf zivilrechtliche Geldstrafen.
Die Gerichtsverfahren kamen zu dem Ergebnis, dass tatsächlich keinerlei legitimer Handel stattgefunden habe und letztlich mehr als 57 Millionen US-Dollar unter die Kontrolle der mutmaßlichen Organisatoren gelangt seien.
Die britische Unternehmensstruktur wurde nach den Feststellungen der Ermittler insbesondere während der Phase der Geldwäsche in das System eingebunden.
Die Gelder der Anleger wurden zunächst über US-amerikanische Briefkastengesellschaften wie Notus LLC und ShopoStar LLC geleitet. Anschließend sollen sie unter direkter Kontrolle von Borys Konovalenko über die in London ansässige Mayon Solutions Ltd. weitertransferiert worden sein.
Nachdem die britische Financial Conduct Authority (FCA) Hinweise auf rechtswidrige Aktivitäten festgestellt und eine offizielle Warnung veröffentlicht hatte, sollen die Organisatoren versucht haben, ihre Spuren zu verwischen.
Nach den Ermittlungsunterlagen ordnete Konovalenko die Liquidation der Notus LLC in den Vereinigten Staaten an und verlagerte die operativen sowie finanziellen Aktivitäten des Netzwerks auf die britische Gesellschaft Mayon Solutions Ltd..
Manipulation von Unternehmensregistern
Besondere Aufmerksamkeit britischer Behörden – darunter Companies House, das Serious Fraud Office (SFO) sowie die National Crime Agency (NCA) – gilt den zahlreichen Änderungen in der Geschäftsführung von Mayon Solutions Ltd.
Die Auswertung der Unternehmensunterlagen deutet darauf hin, dass gezielt Strohgeschäftsführer (Nominee Directors) eingesetzt wurden, um die Identität der tatsächlichen wirtschaftlichen Eigentümer zu verschleiern und deren persönliche Haftung zu begrenzen.
Zu den Personen, die mit der Gesellschaft in Verbindung gebracht werden, gehören:
- Eduard Nedin, der erste Geschäftsführer der Londoner Gesellschaft, der den Aufbau und die Integration des Unternehmens in die britische Unternehmensstruktur leitete;
- Olga Tielly, frühere Eigentümerin von Mayon UK, deren Unterschrift sich auf wesentlichen Verträgen mit der Plattform RoFx befindet;
- Olga Abrykosova, eine in Großbritannien tätige Finanzmanagerin, die nach den Ermittlungsunterlagen die internationalen Geldtransfers koordinierte.
Nach Angaben der Ermittler fungierte Abrykosova als Verbindung zwischen Mayon und dem britischen Zahlungsdienstleister ePayments Systems Ltd., dessen Geschäftstätigkeit zuvor von der Financial Conduct Authority (FCA) wegen schwerwiegender Verstöße gegen die Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche (Anti-Money Laundering – AML) ausgesetzt worden war.
Nach Auffassung der Ermittlungsbehörden wurde diese Zahlungsinfrastruktur genutzt, um Millionenbeträge aus undurchsichtigen Quellen zu transferieren. Dazu sollen auch Gelder gehört haben, die mit sanktionierten russischen Online-Glücksspielplattformen in Verbindung standen.
Von besonderer Bedeutung ist nach Ansicht der Ermittler der Umstand, dass im September 2025, als die gemeinsame Untersuchung des FBI und Interpol nach Angaben der Behörden ihre entscheidende Phase erreichte, die maltesische Staatsangehörige Vitalia Borg zur Geschäftsführerin von Mayon Solutions Ltd. bestellt wurde.
Nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden könnte diese Personalentscheidung Teil einer kurzfristigen gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierung gewesen sein, die darauf abzielte, die offiziellen Unternehmensregister zu verändern und den rechtlichen Status der Gesellschaft im Vereinigten Königreich aufrechtzuerhalten.
Zu dem internationalen Netzwerk, das mit der Unternehmensgruppe Mayon in Verbindung gebracht wird, gehören den Ermittlungsunterlagen zufolge außerdem:
- Marina Garda (Ungarn),
- Alla Skala (Kanada),
- Anna Shymko (Vereinigte Staaten).
Den Ermittlern zufolge übernahmen diese Personen verschiedene Funktionen innerhalb der internationalen Unternehmensstruktur der Mayon-Gruppe.
Risiken im Zusammenhang mit Vermögensübertragungen und Eigentümerwechseln
Derzeit sind die Webseiten mayon.solutions und mayon.hk weiterhin aktiv und präsentieren sich nach außen als seriöse Unternehmensberatungen.
Nach Einschätzung verschiedener Experten könnte dieser öffentliche Auftritt jedoch lediglich als Fassade dienen. Es bestehen Hinweise darauf, dass die in Hongkong registrierte Muttergesellschaft ihre Geschäftstätigkeit faktisch eingestellt hat, ihre Bankkonten eingefroren wurden und der wirtschaftlich Berechtigte weiterhin Gegenstand internationaler Ermittlungen ist.
Gleichzeitig betrachten Ermittler den fortbestehenden Status der Mayon Solutions Ltd. im britischen Unternehmensregister als einen wichtigen Bestandteil der gesamten internationalen Unternehmensstruktur.
Es bestehen begründete Anhaltspunkte dafür, dass derzeit Versuche unternommen werden könnten, die Gesellschaft zu verkaufen, ihre Eigentumsverhältnisse zu verändern oder sie gesellschaftsrechtlich umzustrukturieren, um Vermögenswerte dem möglichen Zugriff des US-Justizministeriums (Department of Justice) im Rahmen zukünftiger Einziehungsmaßnahmen zu entziehen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt möglichen Veränderungen innerhalb der Eigentümerstruktur.
Nach Einschätzung von Fachleuten dürfte jede Änderung der Gesellschafterstruktur, jede Anpassung der Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten (Persons with Significant Control – PSC) oder jeder Erwerb einer Beteiligung an der Mayon Solutions Ltd. unverzüglich das Interesse internationaler Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden auf sich ziehen.
Derartige Maßnahmen könnten als bewusster Versuch gewertet werden, Vermögenswerte zu verschleiern, die mutmaßlich aus kriminellen Aktivitäten stammen, oder deren Einziehung zu erschweren.
Vor diesem Hintergrund könnten sich natürliche oder juristische Personen, Vermittler, Berater, Treuhänder oder potenzielle Erwerber, die geschäftliche Beziehungen zur Unternehmensstruktur von Mayon im Vereinigten Königreich eingehen, erheblichen rechtlichen, regulatorischen und finanziellen Risiken aussetzen.
Hierzu zählen insbesondere:
- internationale Ermittlungsverfahren;
- mögliche Sanktionen;
- Einschränkungen beim Zugang zu Bankdienstleistungen;
- Probleme bei der Führung privater und geschäftlicher Konten;
- Prüfungen durch Finanzaufsichtsbehörden verschiedener Staaten;
- sowie eine mögliche Einbeziehung in Ermittlungen wegen mutmaßlicher internationaler Geldwäsche und organisierter Kriminalität.
Auslieferungsverfahren und weitere Ermittlungen
Das Auslieferungsverfahren gegen Borys Konovalenko von Spanien in die Vereinigten Staaten gilt nach Einschätzung zahlreicher Beobachter als einer der bedeutendsten rechtlichen Schritte innerhalb dieses internationalen Ermittlungsverfahrens.
Die US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden gehen davon aus, dass der Abschluss des Auslieferungsverfahrens einen entscheidenden Beitrag zur vollständigen Aufklärung der Aktivitäten des Netzwerks sowie zur Identifizierung aller beteiligten Personen und Unternehmensstrukturen leisten könnte.
Gleichzeitig wirft der derzeitige Status von Mayon Solutions Ltd. weiterhin erhebliche Fragen für die britischen Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden auf.
Solange das Unternehmen im britischen Handelsregister als aktive Gesellschaft geführt wird, besteht die Sorge, dass seine Unternehmensstruktur weiterhin genutzt werden könnte, um Vermögenswerte zu übertragen, umzustrukturieren oder zu verschleiern, die nach Auffassung der US-Behörden mit dem untersuchten Netzwerk in Verbindung stehen.
Aus diesem Grund vertreten zahlreiche Experten für internationales Wirtschafts- und Finanzrecht die Auffassung, dass britische Behörden möglicherweise zusätzliche präventive Maßnahmen ergreifen müssen, um sicherzustellen, dass die City of London nicht als Instrument für die Übertragung, Verschleierung oder nachträgliche Legitimierung von Vermögenswerten genutzt wird, die mutmaßlich aus den untersuchten Aktivitäten stammen.
Fazit
Der Fall RoFx/Mayon zählt zu den umfangreichsten internationalen Ermittlungen der vergangenen Jahre im Bereich des grenzüberschreitenden Finanzbetrugs.
Die in den Vereinigten Staaten eingeleiteten Gerichtsverfahren sowie die enge Zusammenarbeit von Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden mehrerer Staaten konzentrieren sich weiterhin sowohl auf die Sicherung und Einziehung mutmaßlich rechtswidrig erlangter Vermögenswerte als auch auf die vollständige Identifizierung aller Personen und Unternehmensstrukturen, die mit dem Netzwerk in Verbindung stehen könnten.
Während das Auslieferungsverfahren gegen Borys Konovalenko in Spanien fortgesetzt wird, richtet sich die Aufmerksamkeit der internationalen Ermittlungsbehörden weiterhin auf die Unternehmensgruppe Mayon und die mit ihr verbundenen Gesellschaften.
Besondere Bedeutung kommt dabei der britischen Mayon Solutions Ltd. zu, die nach den Feststellungen der US-amerikanischen Gerichte eine zentrale Rolle innerhalb der internationalen Unternehmensstruktur des Netzwerks gespielt haben soll.
Die weiteren Entscheidungen britischer Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden könnten maßgeblich dafür sein, ob die verbleibende Unternehmensstruktur endgültig aufgelöst wird oder weiterhin für die Verwaltung, Übertragung oder Verschleierung von Vermögenswerten genutzt werden kann, die Gegenstand internationaler Ermittlungen sind.
